Lost Place - Consonno

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Nicht nur die Stollentour, auch andere Lebewesen interessieren sich für verlassene Orte, verfallen Stätten, rätselhafte Ruinen. In Consonno südlich von Lecco kaufte 1962 die Familie des Adligen Mario Bagno für 22,5 Millionen Italienische Lire das ganze Dorf auf.  Alle Gebäude wurden komplett abgerissen, mit Ausnahme der Kirche von San Maurizio, des Pfarrhauses und des kleinen Friedhofs. Alle Bewohner mussten den Ort verlassen. An seiner Stelle entstand eine Vergnügungsstadt, die Las Vegas übertrumpfen sollte. In kurzer Zeit wurden im absoluten Niemandsland Ladenstrassen, Hotels, Tanzlokale, Spielhallen erbaut, alles in einem architektonischen Durcheinander, das seinesgleichen sucht. Sogar ein Minarett krönt die monstruöse Anlage. Portale mit grossspurigen Inschriften („Consonno, der kleinste, aber schönste Ort der Welt“) begleiten den Besucher. Die Legende erzählt, dass Bagno so selbstüberheblich gewesen sei, dass er Bauten, die er selbst befohlen habe, am nächsten Tag wieder habe abreissen lassen. Äusserst kurz jedoch war die Blütezeit dieses Grössenwahnsinns: Durch eine Reihe von Erdrutschen auf der Zufahrtsstraße zerfiel Consonno und geriet schnell in Vergessenheit. Consonno ist längst Opfer von Vandalen geworden, die alles geplündert und mit Graffiti verschmiert haben, es erschlägt den Besucher als Beispiel für gescheiterten Gigantismus. Aktuell steht die gesamte Anlage für rund 12 Millionen Euro zum Verkauf. Von einem Kauf möchte ich allerdings abraten.

  

  

In letzter Zeit ist das Interesse an solchen verlassenen Stätten beachtlich gewachsen. Wer alle Kirchen und Schlösser gesehen hat, giert nach Neuem, und neu – meist weniger als hundert Jahre alt – sind ja all diese Lost Places oder Luoghi Fantasma, die man unter diesen Namen im Netz findet. Verlassene Fabriken, aufgegebene Bahnhöfe, stillgelegte Minen, geschlossene Hotels oder Sanatorien locken Abenteurer an. Sie verströmen einen morbiden Charme, sind Orte des Verfalls; bei ihnen fehlt alles, was an Sehenswürdigkeiten stört: keine Besucherströme, keine Souvenirstände, keine aufdringlichen Führer, aber natürlich auch keine Wegweiser und Hinweistafeln. Um sie aufzusuchen, braucht es Spürsinn, Ortskenntnis, Hartnäckigkeit und Ausdauer. Nach den Burgen, den Bergwerken und den Festungen sind jetzt bei der Stollentour GH Schweiz die Lost Places an der Reihe! Es wird sich lohnen, unsere Homepage regelmässig zu besuchen!

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