Colonia Sacra Famiglia

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In den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts war die Region um den Lago Maggiore (östliches und westliches Ufer) eine bei Touristen beliebte Gegend. Unternehmer, Hoteliers und soziale Institutionen bauten Dutzende von Hotels und Ferienkolonien. Die Höhenlage (800 Meter), die reine Luft, die ausgedehnten Wälder erwiesen sich als Vorteile für Menschen, die unter der Hitze in der Po-Ebene litten. Die Hotels wurden von solventen Gästen besucht, denen man sogar eine Tiefgarage zur Verfügung stellten; während des Zweiten Weltkriegs waren es auch Nationalsozialisten, die Besetzer Oberitaliens, die sich so oft hier aufhielten, dass kaum noch ein Zimmer zu bekommen war. Die Kolonien empfingen Kinder, die gesundheitlich angeschlagen waren, oder, nach dem Ersten Weltkrieg, die ihre Eltern verloren hatten. Nach 1945 allerdings änderte sich das Ferienverhalten: Die Leute zogen jetzt die Fahrt ans Meer einem Aufenthalt in den Hügeln um den Lago Maggiore vor. Hotels und Kolonien mussten schliessen und wurden dem Verfall überlassen. Es fehlte nun an Geld und an Interesse, die Gebäude zu restaurieren oder abzureissen. Heute sind diese Gebäude „luoghi fantasma“, „lost places“, aufgesucht und fotografiert von Liebhabern des Verfalls, des Morbiden, des Skurrilen oder ganz einfach des Abenteuers. Wer einen solchen Ort kennt, hält ihn geheim, sind doch die Erforscher der lost places eine sehr verschwiegene Gemeinschaft. Manchmal bekommt man im Austausch eine Ortangabe, ebenso oft kommt es aber vor, dass man abgewiesen wird. Dann bleibt einem nichts anderes, als aus winzigen Hinweisen eine Suche zu starten, die nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

 

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Lost Place - Consonno

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Nicht nur die Stollentour, auch andere Lebewesen interessieren sich für verlassene Orte, verfallen Stätten, rätselhafte Ruinen. In Consonno südlich von Lecco kaufte 1962 die Familie des Adligen Mario Bagno für 22,5 Millionen Italienische Lire das ganze Dorf auf.  Alle Gebäude wurden komplett abgerissen, mit Ausnahme der Kirche von San Maurizio, des Pfarrhauses und des kleinen Friedhofs. Alle Bewohner mussten den Ort verlassen. An seiner Stelle entstand eine Vergnügungsstadt, die Las Vegas übertrumpfen sollte. In kurzer Zeit wurden im absoluten Niemandsland Ladenstrassen, Hotels, Tanzlokale, Spielhallen erbaut, alles in einem architektonischen Durcheinander, das seinesgleichen sucht. Sogar ein Minarett krönt die monstruöse Anlage. Portale mit grossspurigen Inschriften („Consonno, der kleinste, aber schönste Ort der Welt“) begleiten den Besucher. Die Legende erzählt, dass Bagno so selbstüberheblich gewesen sei, dass er Bauten, die er selbst befohlen habe, am nächsten Tag wieder habe abreissen lassen. Äusserst kurz jedoch war die Blütezeit dieses Grössenwahnsinns: Durch eine Reihe von Erdrutschen auf der Zufahrtsstraße zerfiel Consonno und geriet schnell in Vergessenheit. Consonno ist längst Opfer von Vandalen geworden, die alles geplündert und mit Graffiti verschmiert haben, es erschlägt den Besucher als Beispiel für gescheiterten Gigantismus. Aktuell steht die gesamte Anlage für rund 12 Millionen Euro zum Verkauf. Von einem Kauf möchte ich allerdings abraten.